Bundespolizei zerschlägt mutmaßliches Schleusernetzwerk
WAIDHAUS. Großeinsatz der Bundespolizei in Hessen und Niedersachsen: Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Weiden i.d.OPf. haben rund 220 Einsatzkräfte am Donnerstagmorgen sieben Objekte durchsucht. Im Fokus der Ermittlungen steht eine mutmaßlich international agierende Tätergruppierung aus Usbekistan. Den Beschuldigten werden gewerbsmäßige Einschleusung, Visaerschleichung, Urkundenfälschung und unerlaubter Aufenthalt vorgeworfen.
Die Durchsuchungen fanden in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner-Kreis in Hessen sowie im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen statt. Dabei trafen die Ermittler das mutmaßlich führende Mitglied der Gruppierung sowie elf weitere Zielpersonen an. Zudem wurden neun Personen festgestellt, die sich möglicherweise unerlaubt in Deutschland aufhalten.
Gefälschte Dokumente und zahlreiche Datenträger sichergestellt
Bei den Einsätzen beschlagnahmten die Beamten unter anderem mutmaßlich gefälschte Identitätskarten und Führerscheine verschiedener europäischer Staaten, mehr als 20 Mobiltelefone sowie zwei Notebooks. Außerdem fanden die Ermittler Bank-, Versicherungs- und Meldeunterlagen sowie Lohnabrechnungen und weitere Beweismittel.
Gegen eine Person lag zudem ein Vollstreckungshaftbefehl der Staatsanwaltschaft Gießen vor.
Ermittlungen begannen an der A6 bei Waidhaus
Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine grenzpolizeiliche Kontrolle im Oktober 2025 an der A6 bei Waidhaus. Bundespolizisten kontrollierten damals in einem Fernreisebus auf der Strecke Prag–Amsterdam einen usbekischen Staatsangehörigen. In dessen Gepäck fanden die Beamten mehrere mutmaßlich gefälschte lettische Ausweise und einen mutmaßlich gefälschten polnischen Führerschein. Auf seinem Mobiltelefon entdeckten die Ermittler zudem Fotos mehrerer tschechischer Schengenvisa.
Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die Beschuldigten Kurzzeitvisa für usbekische Staatsangehörige organisiert und dabei falsche Angaben gegenüber Behörden gemacht haben. Nach der Einreise nach Deutschland sollen die Personen mit gefälschten EU-Dokumenten ausgestattet worden sein.
Behörden und Sozialsysteme im Visier der Täter
Mit den mutmaßlich falschen Identitäten sollen anschließend Anmeldungen bei Krankenkassen, Rentenversicherungen, Finanzämtern, Einwohnermeldeämtern sowie bei Agenturen für Arbeit und Jobcentern erfolgt sein. Außerdem sollen Bankkonten eröffnet und Mobilfunkverträge abgeschlossen worden sein.
Nach aktuellem Stand ordnen die Ermittler der Gruppierung insgesamt 76 erteilte Visa für usbekische Staatsangehörige zu. Für Visa und Flugtickets sollen jeweils rund 2.000 Euro verlangt worden sein. Gefälschte Führerscheine sollen etwa 400 Euro gekostet haben, gefälschte Identitätskarten rund 300 Euro.
Der leitende Staatsanwalt Matthias Bauer bezeichnete die Durchsuchungen als „wichtigen Schritt in einem komplexen Ermittlungsverfahren“. Gleichzeitig betonte er, dass für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung gelte.

