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Umwelttour in Grafenwöhr: Militärgelände als Hotspot der Artenvielfalt

GRAFENWÖHR. Der Truppenübungsplatz in Grafenwöhr zählt zu den außergewöhnlichsten Naturräumen Bayerns. Bei einer Umwelttour über das weitläufige Gelände wurde deutlich, wie eng militärische Nutzung und Naturschutz hier miteinander verbunden sind – und welche besondere Bedeutung das Areal für bedrohte Tier- und Pflanzenarten hat.

Mit rund 23.000 Hektar Fläche gehört der Truppenübungsplatz zu den größten zusammenhängenden Landschaftsräumen im Freistaat. Jährlich trainieren dort etwa 180.000 Soldaten aus 36 Nationen. Gleichzeitig hat sich das Gebiet zu einem bedeutenden Rückzugsraum für zahlreiche seltene Arten entwickelt. Moore, Heiden, Magerrasen und naturnahe Wälder bilden ein vielfältiges Mosaik unterschiedlichster Lebensräume.

Militärische Nutzung schafft neue Lebensräume

Eine besondere Rolle spielt dabei die militärische Nutzung selbst. Durch Übungen entstehen immer wieder kleinräumige Störungen, die offene Flächen schaffen und damit neue Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten ermöglichen.

Für den Schutz der Natur ist die Environmental Division der U.S. Army Garrison Bavaria verantwortlich. Sie koordiniert Maßnahmen zum Erhalt von Arten und Lebensräumen und achtet auf die Einhaltung der Umweltstandards.

„Wenn man sich hier umschaut, sieht man: Solch artenreiche und zugleich kulturhistorisch geprägte Landschaften sind in Europa wirklich selten. Dass wir das hier erhalten können, funktioniert nur, weil Militär und Naturschutz eng zusammenarbeiten“, erklärte Christian Henle, Chief der Environmental Division der USAG Bavaria.

Geführt wurde die Tour von Susanne Bartsch, Pressesprecherin der U.S. Army Garrison Bavaria, sowie von Christian Henle und seinem Team. Auch Volker Goebel, Leiter des Betriebsbereichs Grafenwöhr beim Bundesforst, gab fachliche Einblicke in die Entwicklung und Bewirtschaftung des Geländes.

84 Vogelarten an einem Vormittag

Wie außergewöhnlich die Artenvielfalt in Grafenwöhr ist, zeigte sich besonders bei der Vogelwelt. Wolfgang Winter, Stadtförster in Weiden, berichtete von beeindruckenden Beobachtungen.

„Wenn wir an anderen Orten eine Vogelstimmenwanderung am Waldrand machen, kommen wir auf 20 bis 25 Arten – im Offenland vielleicht 30. Aber in Grafenwöhr haben wir an einem Sonntagvormittag 84 Vogelarten festgestellt. Das ist wirklich Wahnsinn“, sagte Winter. Inzwischen seien dort sogar Seeadler, Fischadler, Schwarzstorch und Rotmilan heimisch geworden.

Die Teilnehmer der Tour betonten zudem die Bedeutung großer, unzerschnittener Flächen für den Erhalt der Biodiversität. Gerade der Verzicht auf intensive Nutzung und ein gezieltes Management würden Bedingungen schaffen, die in vielen Kulturlandschaften kaum noch vorhanden seien.

Politiker und Naturschützer vor Ort

Organisiert wurde die Umwelttour von der Grünen-Landtagsabgeordneten Laura Weber. Ebenfalls teilgenommen haben Patrick Friedl sowie Stefan Schmidt. Vertreten waren außerdem Wolfgang Winter vom LBV Weiden-Neustadt und Reinhard Scheuerlein vom BUND Naturschutz.

Patrick Friedl verwies unter anderem auf gezielte Maßnahmen zur Förderung von Amphibien: „Durch künstlich angelegte Teichstrukturen konnten sich hier sogar wieder Molche ansiedeln.“

Laura Weber betonte abschließend die Vorbildfunktion des Gebiets: „Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr macht deutlich: Wer Biodiversität ernsthaft schützen will, braucht große, zusammenhängende und störungsarme Flächen.“

Fotos: Beate Luber