LÜKEX 26: Deutschland übt für eine schwere Hitze- und Dürrekrise
Fast 180 Organisationen beteiligen sich von Mittwoch bis Freitag an der bundesweiten Krisenmanagementübung. Auch Bayern trainiert die Zusammenarbeit für den Ernstfall. Erste Ergebnisse sollen Anfang 2027 vorliegen.
MÜNCHEN/BONN. Jahrelang zu wenig Regen, anschließend eine mehrwöchige extreme Hitzewelle: Mit diesem fiktiven Krisenszenario beschäftigen sich Bund, Länder, Hilfsorganisationen und Betreiber wichtiger Versorgungseinrichtungen bei der LÜKEX 26. Die bundesweite Krisenmanagementübung findet von Mittwoch bis Freitag, 4. bis 6. November, statt. Nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sind knapp 180 Organisationen beteiligt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Verantwortlichen eine Krise bewältigen können, die gleichzeitig zahlreiche Lebensbereiche betrifft. Informationen müssen zusammengeführt, Entwicklungen eingeschätzt und Entscheidungen über Behörden- und Ländergrenzen hinweg abgestimmt werden. Bayern beteiligt sich mit mehreren Ministerien, fünf Bezirksregierungen und Fachleuten aus dem Bevölkerungsschutz.
Mehrjährige Dürre trifft auf extreme Hitze
Ausgangspunkt der Übung ist eine mehrjährige Trockenperiode mit außergewöhnlich geringen Niederschlagsmengen. Darauf folgt eine mehrwöchige Hitzewelle mit anhaltend extrem hohen Temperaturen und weiter ausbleibendem Regen. Nach den bereits veröffentlichten Szenarioangaben werden Temperaturen von bis zu 45 Grad angenommen.
Die Übung betrachtet insbesondere die Auswirkungen auf die Bereiche Inneres, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft und Verkehr. Damit geht es um wesentliche Voraussetzungen für das tägliche Leben und die Versorgung der Bevölkerung.
Die angenommene Hitze- und Dürrekrise ist ein Übungsszenario und keine Wettervorhersage für die Novembertage. Sie dient dazu, die beteiligten Organisationen unter realitätsnahen Bedingungen vor gemeinsame Herausforderungen zu stellen.
Krisenstäbe müssen zusammenarbeiten
LÜKEX steht für „Länder- und Ressortübergreifende Krisenmanagementübung/Exercise“. Das BBK koordiniert die Übungsreihe seit mehr als 20 Jahren. Trainiert wird auf strategischer Ebene: Die beteiligten Organisationen überprüfen ihre Abläufe und Entscheidungswege sowie die Zusammenarbeit über Zuständigkeitsgrenzen hinweg.
Eine wesentliche Rolle spielen dabei Betreiber Kritischer Infrastrukturen, kurz KRITIS. Gemeint sind Einrichtungen und Unternehmen, deren Leistungen für das Funktionieren des Gemeinwesens besonders wichtig sind, beispielsweise in der Energie- und Wasserversorgung.
Die Übung soll zeigen, wie die Beteiligten Informationen austauschen, zu einer gemeinsamen Einschätzung der Lage kommen und ihre Maßnahmen aufeinander abstimmen. Gleichzeitig sollen Kontakte und Netzwerke entstehen, die im tatsächlichen Krisenfall eine schnelle Zusammenarbeit erleichtern.
BBK-Präsidentin Grit Tüngler betont: „Wir üben, um besser auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.“ Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse sei es entscheidend, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und die bestehenden Strukturen zu stärken.
Bayern beteiligt sich mit Ministerien und Hilfsorganisationen
Im Freistaat nehmen nach Angaben des bayerischen Innenministeriums neben dem Innenministerium mit dem Landesamt für Bevölkerungsschutz auch die Ministerien für Wohnen, Bau und Verkehr, für Umwelt und Verbraucherschutz sowie für Gesundheit, Pflege und Prävention aktiv teil. Hinzu kommen fünf Bezirksregierungen.
Eingebunden sind außerdem Vertreter der Polizei, des Landesfeuerwehrverbandes Bayern, des Technischen Hilfswerks, des Bayerischen Roten Kreuzes und der Johanniter. Das Landeskommando Bayern der Bundeswehr bringt ebenfalls seine Fachleute ein.
Unterstützung kommt von der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried. Deren Fachleute wirken im Landesamt für Bevölkerungsschutz mit und beobachten die Übung bei den teilnehmenden Regierungen. Auch das Gemeinsame Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz von Bund und Ländern beteiligt sich.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte im Vorfeld erklärt, die Übung solle helfen, Stärken und Schwächen zu erkennen und daraus gemeinsam zu lernen. Zu den Zielen gehören eine bessere Abstimmung zwischen Bund und Ländern sowie eine transparente Krisenkommunikation.
Szenario gemeinsam mit Fachbehörden entwickelt
Grundlage der Übung ist unter anderem die Risikoanalyse Dürre des BBK. Weiterentwickelt wurde das Szenario gemeinsam mit den Bundesministerien für Inneres, Gesundheit, Verkehr, Umwelt und Landwirtschaft sowie dem Deutschen Wetterdienst und der Bundesanstalt für Gewässerkunde.
Innerhalb dieses Rahmens haben die beteiligten Organisationen ihre jeweiligen Übungsinhalte festgelegt und ausgestaltet. So können sie sowohl die eigenen Verfahren als auch deren Zusammenspiel mit anderen Stellen überprüfen.
Erste Erkenntnisse im ersten Quartal 2027
Nach Abschluss der Übung folgt die Auswertung. Laut aktueller BBK-Mitteilung soll ein erster Bericht mit zentralen Erkenntnissen und daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen im ersten Quartal 2027 veröffentlicht werden. Ein ausführlicher Auswertungsbericht ist für das dritte Quartal vorgesehen.
Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die Vorsorge und das gemeinsame Krisenmanagement weiterzuentwickeln. Der Nutzen reicht dabei über Hitze und Dürre hinaus: Verlässliche Kommunikationswege, abgestimmte Entscheidungen und funktionierende Netzwerke werden auch in anderen Krisen benötigt.
Die nächste Übung der Reihe ist voraussichtlich für 2028 geplant. Sie soll sich mit dem Thema Zivile Verteidigung beschäftigen. Nach Angaben des BBK haben die Vorbereitungen dafür bereits begonnen.
Transparenzhinweis: Grundlage dieses Berichts sind Pressemitteilungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und des Bayerischen Innenministeriums sowie ergänzende Hintergrundinformationen des BBK. Die textliche Ausarbeitung erfolgte mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) und wurde vor der Veröffentlichung redaktionell überprüft.

