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Großübung in Fensterfabrik: Feuerwehren trainieren Ernstfall eines Industriebrands

Übungsszenario fordert 138 Einsatzkräfte aus drei Landkreisen

OBERWILDENAU. Eine groß angelegte Einsatzübung unter realitätsnahen Bedingungen hat am Mittwochabend im Industriegebiet Oberwildenau stattgefunden. Übungsobjekt war die Kunststofffertigung der Firma Höhbauer an der Kohlberger Straße. Das angenommene Einsatzszenario lautete „B4 Brand Industrie“ – ein Stichwort, das einen umfangreichen Kräfteansatz sowie eine komplexe Einsatzorganisation erforderlich macht.

Gegen 18.30 Uhr alarmierte die Integrierte Leitstelle Oberpfalz-Nord (ILS), Betriebsstätte Weiden, zahlreiche Feuerwehren aus der Region. Parallel erfolgte die Alarmierung weiterer Kräfte über die Leitstelle Amberg. Dadurch rückten Einsatzkräfte aus den Landkreisen Neustadt an der Waldnaab, Schwandorf, Amberg-Sulzbach sowie aus der Stadt Weiden an.

Erste Lageerkundung und Aufbau der Einsatzleitung

Als erstes erreichte der Kommandant der Feuerwehr Oberwildenau, Johannes Kres, mit seinem Führungsfahrzeug die Einsatzstelle. Nach einer umfassenden Lageerkundung stellte sich das angenommene Schadensbild dar: Ein Brand in der Kunststofffertigung hatte zu starker Rauchentwicklung in mehreren Produktionshallen geführt, neun Personen galten als vermisst.

Unverzüglich wurde eine Einsatzleitung eingerichtet. Die anrückenden Kräfte wurden in vier Einsatzabschnitte gegliedert, um die Vielzahl an Aufgaben strukturiert abarbeiten zu können – ein zentraler Bestandteil moderner Einsatzführung bei Großschadenslagen.

Menschenrettung als oberste Priorität

Auf Grundlage der Lagebeurteilung stand schnell fest: Die Rettung der vermissten Personen hatte Vorrang vor allen weiteren Maßnahmen. Mehrere Atemschutztrupps aus den Einsatzabschnitten 1 und 2 gingen unter umluftunabhängigem Atemschutz zur Personensuche in die stark verrauchten Hallen vor.

Eine vermisste Person machte sich währenddessen auf einem Turm der Produktionsanlage bemerkbar. Mithilfe der Drehleiter der Feuerwehr Weiden konnte die Rettung zügig und sicher durchgeführt werden. Auch die übrigen Vermissten wurden nach intensiver Suche aus den Hallen gerettet und ins Freie gebracht – für die eingesetzten Atemschutzgeräteträger eine körperlich äußerst anspruchsvolle Aufgabe.

Nach Abschluss der Menschenrettung wurde die Brandbekämpfung im Innenangriff fortgesetzt, während parallel bereits Löschmaßnahmen von außen liefen.

Sicherstellung der Löschwasserversorgung

Zeitgleich bauten weitere Kräfte im Einsatzabschnitt 3 eine stabile Löschwasserversorgung auf. Hierzu wurden zwei voneinander unabhängige Wasserentnahmestellen eingerichtet: ein Hydrant im Industriegebiet mit längerer Schlauchstrecke ins Werksgelände sowie ein vorhandener Löschwasserbehälter direkt auf dem Betriebsgelände.

Zur Koordination der eingesetzten Atemschutztrupps richtete der Einsatzabschnitt 4 nahe der Einsatzleitung eine zentrale Atemschutzsammelstelle ein. Unterstützt wurde dies durch den landkreiseigenen Gerätewagen Atemschutz, betrieben von der Feuerwehr Altenstadt/WN.

Positive Bilanz nach Übungsende

Dank der koordinierten Zusammenarbeit aller beteiligten Einheiten konnte das Übungsziel erfolgreich erreicht werden. Nach Abschluss der Löschmaßnahmen gab Einsatzleiter Johannes Kres das Kommando zum Übungsende und zum Rückbau der Einsatzstelle.

Im Anschluss trafen sich die Beteiligten in einer Ausstellungshalle der Firma Höhbauer zur Nachbesprechung. Die vier Einsatzabschnittsleiter – Bürgermeister Sebastian Hartl (EA1), Florian Wittmann (EA2), Thomas Schwarz (EA3) sowie Kreisbrandmeister Michael Roith (EA4) – stellten ihre jeweiligen Einsatzabschnitte vor und zogen eine erste fachliche Bilanz.

Dank an Ehrenamtliche und besondere Anerkennung

Grußworte richteten anschließend die stellvertretende Bürgermeisterin Sigrid Ziegler sowie Geschäftsführer Christoph Höhbauer an die Einsatzkräfte. Beide würdigten insbesondere das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehren sowie die hohe Einsatzbereitschaft der Beteiligten. Hervorgehoben wurde zudem die Bereitschaft von Arbeitgebern, Feuerwehrangehörige im Einsatzfall freizustellen.

Für eine besondere Überraschung sorgte Vertriebsleiter Helmut Artmann: Im Namen der Firma Höhbauer erhielt jede Einsatzkraft persönlich einen Wertgutschein als Zeichen der Anerkennung. Kreisbrandmeisterin Carola Adam dankte abschließend den insgesamt 138 eingesetzten Kräften sowie der Unternehmensleitung für die Möglichkeit, unter realistischen Bedingungen auf dem Werksgelände üben zu können.

Zahlreiche Feuerwehren beteiligt

An der Übung beteiligt waren die Feuerwehren aus Oberwildenau, Luhe-Markt, Neudorf bei Luhe, Altenstadt/WN., Engleshof, Etzenricht, Hannersgrün, Kohlberg, Pirk, Weiden i.d.OPf., Neuersdorf (Landkreis Amberg-Sulzbach) und Oberköblitz (Landkreis Schwandorf) sowie Führungskräfte der Kreisbrandinspektion.

Text und Bilder: Alexander Kleber, Kreisbrandmeister für Gefahrgut und Öffentlichkeitsarbeit