45 Grad nach langer Dürre: Bayern übt bei LÜKEX 26 den Krisenfall
Bei der bundesweiten Krisenmanagementübung vom 4. bis 6. November müssen Behörden und Organisationen eine fiktive Hitze- und Dürrekrise bewältigen. Bayern beteiligt sich mit mehreren Ministerien, fünf Bezirksregierungen und Fachleuten aus dem Bevölkerungsschutz.
MÜNCHEN. Eine extreme Hitzewelle trifft auf ein bereits durch jahrelange Trockenheit geschwächtes Land: Menschen, Natur und Wirtschaft geraten unter Druck, gleichzeitig müssen Behörden über Länder- und Ressortgrenzen hinweg handeln. Dieses fiktive Szenario steht im Mittelpunkt der Krisenmanagementübung LÜKEX 26. Von Mittwoch bis Freitag, 4. bis 6. November, trainieren Bund, Länder und weitere Organisationen, wie sie eine solche Lage gemeinsam bewältigen können.
Bayern beteiligt sich unter anderem mit dem Innenministerium, dem Landesamt für Bevölkerungsschutz und fünf Bezirksregierungen. Innenminister Joachim Herrmann sieht darin eine Gelegenheit, Abläufe zu überprüfen und die Zusammenarbeit für einen tatsächlichen Krisenfall zu verbessern. Dabei geht es auch darum, Schwachstellen zu erkennen, bevor eine reale Notlage entsteht.
Das Szenario: Fünf Dürrejahre und anschließend extreme Hitze
Die Übung geht nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) von fünf Dürrejahren aus. Eine zusätzliche Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 45 Grad Celsius verschärft die bereits angespannte Situation. Die Krisenstäbe müssen auf dieser Grundlage strategische Entscheidungen zum Schutz der Bevölkerung treffen.
Es handelt sich um eine erfundene Übungslage. Die angenommenen Temperaturen sind keine Wettervorhersage für die Übungstage im November. Das Szenario wurde unter anderem auf Grundlage der Risikoanalyse Dürre des BBK entwickelt und gemeinsam mit Bundesministerien, dem Deutschen Wetterdienst und der Bundesanstalt für Gewässerkunde weiter ausgearbeitet.
Hintergrund der Themenwahl ist nach Angaben des bayerischen Innenministeriums, dass Hitzewellen und Dürren infolge des Klimawandels häufiger, intensiver und länger auftreten können. Die Verantwortlichen sollen deshalb eine Lage bearbeiten, die mehrere Bereiche des öffentlichen Lebens gleichzeitig betrifft und eine längerfristige Abstimmung erfordert.
Warum die Folgen weit über das Wetter hinausreichen
Anhaltende Trockenheit und extreme Hitze können Gesundheit, Versorgung, Wirtschaft und Infrastruktur gleichzeitig belasten. Das BBK betrachtet bei LÜKEX 26 insbesondere die Bereiche Inneres, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft und Verkehr. Entsprechend müssen staatliche Stellen, Hilfsorganisationen und Betreiber Kritischer Infrastrukturen zusammenarbeiten. Dazu gehören Unternehmen und Einrichtungen, deren Leistungen für die Versorgung der Bevölkerung besonders wichtig sind.

Welche Herausforderungen dabei zusammentreffen können, erläutert beispielsweise die niedersächsische Landesregierung: Krankenhäuser, Rettungsdienste und Pflegeeinrichtungen können durch zusätzliche hitzebedingte Erkrankungen stark beansprucht werden. In der Landwirtschaft sind unter anderem Tierhaltung und Ackerbau betroffen. Hinzu kommen eine erhöhte Waldbrandgefahr sowie mögliche Einschränkungen für Verkehr und Logistik durch Niedrigwasser und Hitzeschäden an der Infrastruktur. Diese Beispiele verdeutlichen die Bandbreite möglicher Folgen; sie beschreiben keinen veröffentlichten Ablaufplan für Bayern.
Geübt wird vor allem in den Krisenstäben
LÜKEX steht für „Länder- und Ressortübergreifende Krisenmanagementübung“. Im Mittelpunkt stehen die politische und administrative Entscheidungsebene sowie die Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen. Die vom BBK koordinierte Übungsreihe überprüft, wie Informationen ausgetauscht, Lagebilder bewertet und Entscheidungen aufeinander abgestimmt werden. Hilfsorganisationen und Unternehmen Kritischer Infrastrukturen sind dabei ausdrücklich einbezogen.
Die übenden Stäbe arbeiten in der Regel in ihren für reale Krisen eingerichteten Räumen. Eine Übungssteuerung konfrontiert sie anhand eines vorbereiteten Drehbuchs mit Meldungen und Ereignissen. Daraus müssen sie Handlungsbedarf erkennen und ihre nächsten Schritte entwickeln. Nach den veröffentlichten Hintergrundinformationen bilden Mittwoch und Donnerstag die beiden Hauptübungstage innerhalb des angekündigten Zeitraums.
So beteiligt sich Bayern
Neben dem Innenministerium mit dem Landesamt für Bevölkerungsschutz nehmen im Freistaat die Ministerien für Wohnen, Bau und Verkehr, für Umwelt und Verbraucherschutz sowie für Gesundheit, Pflege und Prävention aktiv teil. Hinzu kommen fünf Bezirksregierungen. Welche Regierungen dies konkret sind, benennt das Innenministerium in seiner aktuellen Mitteilung nicht.

Eingebunden sind außerdem Vertreter der Polizei, des Landesfeuerwehrverbandes Bayern, des Technischen Hilfswerks, des Bayerischen Roten Kreuzes und der Johanniter. Das Landeskommando Bayern der Bundeswehr beteiligt sich mit Fachleuten. Auch das Gemeinsame Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz von Bund und Ländern wirkt an der Übung mit.
Die Staatliche Feuerwehrschule Geretsried unterstützt die Durchführung. Ihre Fachleute sind im Landesamt für Bevölkerungsschutz eingesetzt und beobachten die Übung bei den teilnehmenden Regierungen.
Herrmann nennt als Ziel, das strategische Krisenmanagement, die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern und die transparente Krisenkommunikation weiterzuentwickeln. Durch das gemeinsame Training sollen benötigte Ressourcen, eingespielte Abläufe und aufeinander abgestimmte Strukturen im Ernstfall besser verfügbar sein.
Größte Übung der bisherigen LÜKEX-Reihe
Das bayerische Innenministerium spricht von bundesweit mehr als 150 beteiligten Behörden und Organisationen. Auf seiner aktuellen Themenseite nennt das BBK inzwischen knapp 180 Organisationen insgesamt, von denen fast 100 aktiv üben. Weitere Organisationen beteiligen sich begleitend, etwa an Wissensformaten und am Rahmenprogramm.
Zehn Bundesländer mit mehr als 60 Landesministerien wirken aktiv mit. Nach Angaben des BBK ist LÜKEX 26 damit die bislang größte Übung der Reihe. Erste Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen sollen im Frühjahr 2027 vorliegen, der Auswertungsbericht im dritten Quartal 2027 erscheinen.
Erkenntnisse sollen auch bei anderen Krisen helfen
Der Nutzen soll über das konkrete Hitze- und Dürreszenario hinausgehen. Informationsaustausch, abgestimmte Entscheidungen und verlässliche Kommunikation werden auch bei anderen komplexen und länger andauernden Krisen benötigt. Die Übung soll helfen, diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen zu festigen.
Ob daraus konkrete Verbesserungen entstehen, wird die Auswertung zeigen. Die Übung bietet zunächst die Möglichkeit, bestehende Verfahren unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben und anschließend gezielt nachzubessern.
Transparenzhinweis: Grundlage dieses Berichts sind eine Pressemitteilung des Bayerischen Innenministeriums und ergänzende Recherchen in Veröffentlichungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie der niedersächsischen Landesregierung. Die textliche Ausarbeitung erfolgte mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) und wurde vor der Veröffentlichung redaktionell überprüft.


