DeutschlandSicherheitspolitik und Militärtechnik

Bundeswehr modernisiert Radiosender für gezielte Desinformation des Feindes

Militär will künftig auch über DAB+ gezielt auf feindliche Streitkräfte und ausländische Zivilbevölkerung einwirken

BONN. Die Bundeswehr modernisiert ihre mobilen Hörfunksender. Was zunächst nach einem gewöhnlichen Rüstungsprojekt klingt, hat einen besonderen Hintergrund: Die Anlagen gehören zur sogenannten „Operativen Kommunikation“ und sollen ausdrücklich dazu dienen, Einstellungen und Verhalten bestimmter Bevölkerungsgruppen und gegnerischer Kräfte im Sinne eigener militärischer Ziele zu beeinflussen.

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr hat dazu die Bremer Firma FHF Flurfördergeräte GmbH mit der Modernisierung der bestehenden Sendeanlagen beauftragt. Bis Mitte 2028 sollen insgesamt acht neue UKW- und DAB+-Sendecontainer zur Verfügung stehen.

Kommunikation als militärisches Mittel

Bemerkenswert ist dabei weniger die neue Technik als deren Zweck. Das Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr hat nach eigenen Angaben den Auftrag, „das Verhalten und die Einstellung verschiedener Zielgruppen“ mit kommunikativen Mitteln zu beeinflussen. Genannt werden ausdrücklich feindliche Streitkräfte, Konfliktparteien und ausländische Zivilbevölkerungen.

Damit geht es nicht allein darum, Menschen sachlich über eine militärische Lage zu informieren. Kommunikation wird hier bewusst als Instrument militärischer Operationsführung eingesetzt. Welche Informationen verbreitet werden, welche weggelassen werden und wie Ereignisse dargestellt werden, richtet sich nach dem Ziel, das Verhalten der angesprochenen Menschen im Interesse der eigenen Operationen zu verändern.

Gerade deshalb ist eine klare Unterscheidung wichtig: Dass die Bundeswehr dabei bewusst erfundene oder nachweislich falsche Informationen verbreiten soll, geht aus der vorliegenden Pressemitteilung nicht hervor. Der ausdrücklich formulierte Zweck ist jedoch die gezielte Beeinflussung. Für die Empfänger solcher Sendungen ist deshalb keineswegs selbstverständlich, dass sie es mit neutraler oder unabhängiger Berichterstattung zu tun haben.

Propaganda gehört seit jeher zur Kriegsführung

Die gezielte Ansprache gegnerischer Soldaten und der Zivilbevölkerung ist keine neue Erscheinung. Seit Jahrzehnten gehört psychologische beziehungsweise operative Kommunikation zum Instrumentarium von Streitkräften. Radiosendungen, Flugblätter und heute zunehmend soziale Medien und digitale Plattformen sollen Meinungen prägen, Moral beeinflussen oder bestimmte Verhaltensweisen hervorrufen.

Die Bundeswehr beschreibt dieses Ziel in ihrer Mitteilung ungewöhnlich offen. Gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussionen über Desinformation, „Fake News“ und ausländische Einflussnahme sollte dies aufmerksam machen: Auch westliche Streitkräfte setzen gezielte Informations- und Einflussoperationen als militärisches Mittel ein.

Das bedeutet nicht automatisch, dass verbreitete Inhalte falsch sind. Wohl aber bedeutet es, dass ihre Auswahl, Gewichtung und Darstellung einem militärischen Zweck untergeordnet werden können. Für Mediennutzer ist dieser Unterschied wesentlich.

Mobile Sender werden deutlich leistungsfähiger

Rundfunksendetrupp UKW mit Sendekabine Fm II A und Antenne in Masar-e Scharif, Afghanistan
Foto: Bundeswehr/Christian Virgils

Technisch sollen die bisherigen Anlagen umfassend erneuert werden. Neben UKW wird künftig auch über DAB+ gesendet. Die Signale können über Mobilfunk oder Satellit zugespielt werden. Dadurch lassen sich die Sender unabhängig von einer vorhandenen Kommunikationsinfrastruktur betreiben.

Auch die Stromversorgung wird direkt in die 20-Fuß-Container integriert. Zusammen mit mobilen 25-Meter-Antennen sollen die Anlagen damit flexibel an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden können.

Bis Ende 2026 ist zunächst ein Prototyp vorgesehen. Nach Erprobung und Abnahme sollen 2027 und 2028 sieben weitere Sendecontainer folgen.

Auch Einsatz bei Katastrophen möglich

Die Technik hat allerdings noch einen zweiten Einsatzzweck. Nach Angaben der Bundeswehr können die mobilen Hörfunksender auch bei Katastrophen im Inland genutzt werden, beispielsweise wenn nach schweren Unwettern zivile Rundfunksender ausgefallen sind.

Dieser zivile Nutzen sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Anlagen in erster Linie Teil der militärischen Operativen Kommunikation sind. Ihr Kernauftrag besteht darin, ausgewählte Zielgruppen gezielt zu beeinflussen.

Das offen auszusprechen ist wichtig – gerade in einer Zeit, in der Manipulation und Desinformation meist ausschließlich als Methode gegnerischer Staaten wahrgenommen werden. Militärische Informationsoperationen gehören grundsätzlich auch zum Instrumentarium der Bundeswehr.

Transparenzhinweis: Die Grundlage dieses Berichts bildet eine Pressemitteilung der Bundeswehr. Die textliche Ausarbeitung erfolgte mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) und wurde vor der Veröffentlichung redaktionell überprüft.