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Windkraft-Ausbau trotz Netzengpässen: Wie sinnvoll sind neue Anlagen, wenn immer häufiger Strom abgeregelt werden muss?

München/Berlin. Bayern drängt auf deutlich mehr Windkraft. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger kritisiert die jüngsten Ausschreibungsergebnisse der Bundesnetzagentur scharf und wirft dem Bund vor, den Ausbau im Freistaat auszubremsen. Doch gleichzeitig stellt sich eine grundsätzliche Frage: Kann das deutsche Stromnetz derzeit überhaupt noch deutlich mehr Windstrom aufnehmen?

Diese Frage gewinnt angesichts der aktuellen Entwicklung immer mehr an Bedeutung.

Während Bayern auf mehr Zuschläge für Windparks drängt, steigen deutschlandweit die Kosten für sogenannte Redispatch-Maßnahmen seit Jahren massiv an. Dabei müssen Netzbetreiber Kraftwerke hoch- oder herunterfahren oder erneuerbare Energien abregeln, weil Stromleitungen überlastet sind oder zu viel Strom gleichzeitig erzeugt wird.

Hinzu kommen immer häufiger auftretende negative Strompreise an der Strombörse. In solchen Stunden ist das Stromangebot größer als die Nachfrage. Kraftwerke und erneuerbare Anlagen speisen mehr Strom ein, als tatsächlich benötigt oder transportiert werden kann. Teilweise erhalten Abnehmer sogar Geld dafür, Strom zu verbrauchen.

Millionenkosten für Verbraucher

Die Folgen tragen letztlich die Stromkunden.

Netzengpässe, Redispatch-Eingriffe und Entschädigungszahlungen für abgeregelte Anlagen verursachen jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. Diese werden über Netzentgelte und Umlagen auf die Verbraucher umgelegt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der weitere Ausbau der Windkraft derzeit tatsächlich das größte Problem löst – oder ob zunächst Netzausbau, Speichertechnologien und eine flexiblere Stromnutzung deutlich schneller vorankommen müssten.

Aiwanger fordert mehr Windkraft im Süden

Auslöser der aktuellen Debatte sind die Ergebnisse der jüngsten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur.

Von bundesweit 270 erfolgreichen Geboten entfielen lediglich vier auf Bayern. Das entspricht lediglich rund 2,2 Prozent des bezuschlagten Volumens.

Hubert Aiwanger spricht deshalb von einer Benachteiligung Süddeutschlands.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums warten allein in Bayern bereits 350 genehmigte Windenergieanlagen auf einen Zuschlag. Für weitere 819 Anlagen laufen Genehmigungsverfahren.

Der Minister fordert deshalb größere Ausschreibungsmengen sowie eine stärkere Bevorzugung windschwächerer Standorte im Süden Deutschlands.

Erzeugung am Verbrauchsort – ein nachvollziehbares Argument

Ein Argument Aiwangers findet durchaus breite Zustimmung: Strom sollte möglichst dort erzeugt werden, wo er auch verbraucht wird.

Gerade Bayern zählt zu den größten Industriestandorten Deutschlands mit entsprechend hohem Strombedarf. Regionale Erzeugung könnte lange Transportwege reduzieren und die Belastung der Übertragungsnetze verringern.

Ob dieses Ziel jedoch allein durch zusätzliche Windkraftanlagen erreicht werden kann, hängt entscheidend davon ab, ob die notwendige Netzinfrastruktur sowie ausreichend Speicherkapazitäten gleichzeitig mitwachsen.

Solarprojekte mit Speicher zeigen einen anderen Weg

Interessant ist deshalb ein weiterer Teil der Ausschreibung.

Bei den Innovationsausschreibungen für Photovoltaikanlagen mit Batteriespeichern schnitt Bayern hervorragend ab. Mehr als die Hälfte der bundesweit bezuschlagten Leistung entfiel auf Projekte im Freistaat.

Diese Anlagen gelten als besonders netzdienlich, weil der erzeugte Strom nicht sofort eingespeist werden muss, sondern zwischengespeichert und zeitversetzt genutzt werden kann.

Gerade solche Technologien könnten künftig helfen, Netzengpässe zu entschärfen und die Zahl kostspieliger Redispatch-Eingriffe zu reduzieren.

Die eigentliche Herausforderung

Die Energiewende steht damit vor einem grundlegenden Zielkonflikt.

Einerseits sollen erneuerbare Energien möglichst schnell ausgebaut werden. Andererseits häufen sich Situationen, in denen Strom nicht vollständig genutzt oder transportiert werden kann.

Die entscheidende politische Frage lautet deshalb weniger, ob weitere Windkraftanlagen gebaut werden sollten, sondern ob Netzausbau, Speicher und intelligente Steuerung schnell genug mit dem Ausbau Schritt halten. Ohne diese Infrastruktur drohen steigende Kosten für Verbraucher – trotz immer neuer Anlagen.


Transparenzhinweis: Grundlage dieses Berichts ist eine Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Die textliche Ausarbeitung erfolgte mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) und wurde vor der Veröffentlichung redaktionell überprüft.