Süße Äpfel statt saures Angebot: Warnstreik bei Siemens in Kemnath
Rund 100 Beschäftigte von Siemens Healthineers in Kemnath haben sich am Freitag an einem Warnstreik der IG Metall beteiligt. Mit einer ungewöhnlichen Apfelaktion machten sie auf ihre Forderungen aufmerksam. Die Tarifverhandlungen in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie sind festgefahren.
Kemnath. Süße Äpfel gab es am Freitagmittag für die Beschäftigten von Siemens Healthineers in Kemnath. Das Angebot der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde empfinden die Gewerkschaftsvertreter dagegen als ausgesprochen sauer. Unter diesem Motto hatte die IG Metall zu einer Warnstreikaktion am Standort aufgerufen. Rund 100 Mitarbeiter beteiligten sich an der Kundgebung.
Bei der Kundgebung sprachen Sabrina Feige, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, und Christian Axmann, Vertrauenskörperleiter am Kemnather Standort. Beide machten deutlich, wie weit die Positionen der Tarifparteien derzeit auseinanderliegen.
IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn
Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie eine Erhöhung der Entgelte um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen sollen um monatlich 110 Euro steigen.
Doch es geht der IG Metall nicht allein um höhere Löhne. Weitere Themen sind die Sicherung von Arbeitsplätzen und Industriestandorten sowie verlässliche Arbeitsbedingungen. In wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sollen die Beschäftigten stärker am Gewinn beteiligt werden. Zudem fordert die Gewerkschaft eine soziale Komponente, von der insbesondere Arbeitnehmer in den unteren Entgeltgruppen profitieren sollen.
Arbeitgeber bieten 1,3 Prozent – allerdings erst ab 2028
Das bisherige Angebot der Arbeitgeber liegt deutlich unter den Forderungen der Gewerkschaft. Vorgesehen ist eine Einmalzahlung von 664 Euro im Juli 2027. Diese soll allerdings unter bestimmten wirtschaftlichen Voraussetzungen entfallen können.
Eine dauerhafte Erhöhung der Entgelte um 1,3 Prozent ist erst für Juli 2028 vorgesehen. Die Arbeitgeber schlagen eine Laufzeit bis Ende 2028 vor.
Aus Sicht der IG Metall ist dieses Angebot völlig unzureichend. Angesichts der Preisentwicklung würde es nach Einschätzung der Gewerkschaft auf einen Reallohnverlust hinauslaufen. Die Beschäftigten hätten damit trotz einer nominellen Lohnerhöhung weniger Kaufkraft.
Hinzu kommt, dass die Arbeitgeberseite auch über Krankenstände und die damit verbundenen Kosten sprechen möchte. Die Gewerkschaft sieht dagegen die Sicherung der Beschäftigung und eine angemessene Beteiligung der Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen als zentrale Themen.
Süße Äpfel als Zeichen des Protests
Wie groß die Unzufriedenheit über den bisherigen Verhandlungsstand ist, zeigte sich auch bei der Warnstreikaktion in Kemnath. Die IG Metall hatte sich eine symbolische Aktion einfallen lassen: Während sie das Arbeitgeberangebot als „sauer“ bezeichnete, gab es für die Beschäftigten süße Äpfel. Die Aktion kam bei den Teilnehmern gut an.
Die Gewerkschaftsvertreter machten deutlich, dass die Verhandlungen derzeit ausgesprochen verhärtet seien. Die Vorstellungen beider Seiten lägen weit auseinander. Mit den Warnstreiks will die IG Metall den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen und Bewegung in die Tarifrunde bringen.

