Holz ist einer der großen Wirtschaftsfaktoren Bayerns
Rund 155.000 Beschäftigte und mehr als 45 Milliarden Euro Umsatz: Bayern will die Bedeutung des heimischen Rohstoffs auch bei der Energieversorgung stärken und gründet mit europäischen Partnerregionen ein neues Netzwerk
REGENSBURG/BRÜSSEL. Wenn von den großen Wirtschaftszweigen Bayerns die Rede ist, denkt man meist zuerst an Automobilindustrie, Maschinenbau oder Elektrotechnik. Deutlich weniger im öffentlichen Blick steht eine Branche, die vor allem den ländlichen Raum prägt: die Forst- und Holzwirtschaft. Dabei gehört sie wirtschaftlich zu den Schwergewichten im Freistaat.
Rund 154.800 Menschen arbeiten in der bayerischen Forst- und Holzbranche, der jährliche Umsatz der gesamten Wertschöpfungskette liegt nach Angaben des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums bei mehr als 45 Milliarden Euro. Dazu gehören längst nicht nur Förster und Sägewerke. Die Kette reicht von Waldbesitzern und Forstbetrieben über Holzernte und Transport, Säge- und Holzwerkstoffindustrie bis zu Zimmereien, Schreinereien, Papierwirtschaft und Holzbau.
Mehr als ein Drittel Bayerns ist Wald
Die Grundlage dafür wächst praktisch vor der Haustür. Bayern verfügt über rund 2,62 Millionen Hektar Wald. Das entspricht 37,1 Prozent der Landesfläche – kein anderes Bundesland besitzt eine größere Waldfläche. In den Wäldern stehen nach der jüngsten Bundeswaldinventur mehr als eine Milliarde Kubikmeter Holz. Mehr als die Hälfte der Waldfläche befindet sich in privatem Eigentum.
Welche Dimension allein der Staatswald hat, zeigen die Zahlen der Bayerischen Staatsforsten (BaySF). Sie bewirtschaften rund 756.000 Hektar Wald und sind damit einer der größten Forstbetriebe Europas. Im Geschäftsjahr 2025 wurden rund 5,05 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen. Gleichzeitig lag der jährliche Zuwachs nach Angaben der BaySF bei rund 6,1 Millionen Kubikmetern. Rund 4,64 Millionen Festmeter Holz wurden verkauft.
Allein der Holzumsatz der Staatsforsten erreichte 2025 rund 433 Millionen Euro. Die Zahlen machen zugleich deutlich, dass wirtschaftliche Holznutzung und Waldumbau unmittelbar zusammenhängen: Die BaySF investierten im vergangenen Geschäftsjahr rund 21,7 Millionen Euro in Pflanzungen und Saaten für klimastabilere Mischwälder.
Vom Dachstuhl bis zur Heizung
Holz ist dabei weit mehr als Brennstoff. Hochwertige Stämme gehen beispielsweise in Sägewerke, in den Holzbau oder in die Möbelproduktion. Andere Sortimente und Nebenprodukte der Verarbeitung werden von der Papier- und Holzwerkstoffindustrie genutzt. Erst ein weiterer Teil der Kette ist die energetische Nutzung – etwa als Scheitholz, Hackschnitzel oder Pellets.
Gerade diese Mehrfachnutzung macht Holz für Bayern wirtschaftlich interessant: Ein heimischer Rohstoff schafft Wertschöpfung vom Wald bis zum Handwerks- und Industriebetrieb und kann gleichzeitig fossile Rohstoffe ersetzen. Besonders im ländlichen Raum hängen viele Unternehmen und Arbeitsplätze unmittelbar oder mittelbar an dieser Wertschöpfungskette.
Auch energetisch hat Holz inzwischen erhebliches Gewicht. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums werden in Bayern insgesamt mehr als sechs Millionen Tonnen Energieholz genutzt. Energieholz ist damit der bedeutendste Energierohstoff innerhalb der Biomasse.
Bayern gründet Holzenergie-Netzwerk in Brüssel

Foto: StMWi/D. Oshi
Vor diesem Hintergrund ist auch eine neue Initiative zu sehen, die Bayern am Mittwoch in Brüssel gestartet hat. Gemeinsam mit den spanischen Regionen Castilla-La Mancha und Castilla y León sowie der Steiermark gründete der Freistaat das „Wood Energy Regions Network“ (WERN).
Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt will damit der Holzenergie auf europäischer Ebene mehr Gewicht verschaffen. Das Netzwerk soll dem Wissensaustausch dienen, zugleich aber auch politische Interessen bündeln. Die beteiligten Regionen wollen sich bei der EU für geeignete Rahmenbedingungen, Fördermöglichkeiten und weniger bürokratische Hemmnisse einsetzen.
„Holzenergie spielt in Bayern eine unverzichtbare Rolle in der Wärme- und Energiewende. Sie ist eine dezentrale und somit resiliente Energiequelle“, erklärte Gotthardt zum Start des Netzwerks. Energieholz sei heimisch verfügbar und halte Wertschöpfung in den Regionen.
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums deckt Holzenergie inzwischen mehr als 20 Prozent der gesamten Wärmebereitstellung in Bayern ab. Auf europäischer Ebene stamme mehr als ein Viertel der Wärmeversorgung der Haushalte aus Energieholz; bei der industriellen Wärmeversorgung liege der Anteil bei elf Prozent.
Holzenergie als Ergänzung im Energiesystem
Das Wirtschaftsministerium sieht Holzenergie dabei nicht nur als eigenständige Wärmequelle. Sie könne beispielsweise mit Wärmepumpen oder Solarthermie kombiniert werden und insbesondere dann Wärme bereitstellen, wenn andere erneuerbare Energiequellen weniger liefern. Gleichzeitig könnten dadurch Stromspitzen reduziert werden.
Gotthardt verweist auch auf den Aspekt der Krisenvorsorge. Rund zwei Millionen Haushalte könnten nach Angaben des Ministeriums in Bayern im Krisenfall über holzbetriebene Einzelraumfeuerungen unabhängig vom Stromnetz Wärme erzeugen.
Bayern unterstützt den Ausbau größerer Holzheizungen und Wärmenetze unter anderem mit dem Förderprogramm BioWärme Bayern. Seit 2023 wurden nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mehr als 255 Projekte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 124 Millionen Euro unterstützt.
Mit dem neuen europäischen Netzwerk versucht Bayern nun, diese Linie stärker nach Brüssel zu tragen. Für den Freistaat geht es dabei nicht allein um Heizungen und Energiepolitik. Dahinter steht eine komplette Wertschöpfungskette – vom Waldbesitzer über Forstwirtschaft und Sägewerk bis zum Handwerk und zur Industrie. Mit rund 155.000 Beschäftigten gehört Holz damit zu jenen Wirtschaftsfaktoren Bayerns, deren Bedeutung weit über das hinausgeht, was man zunächst mit einem Baumstamm am Wegesrand verbindet.
Transparenzhinweis: Grundlage dieses Berichts war unter anderem eine Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Ergänzend wurden öffentlich zugängliche Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft sowie der Bayerischen Staatsforsten ausgewertet. Die textliche Ausarbeitung erfolgte mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) und wurde vor der Veröffentlichung redaktionell überprüft.

