Gesundheit und MedizinOberpfalzPolitik

Was bleibt von Michael Hoffmann? Eine Bilanz zwischen Sanierung, Schließungen und offenen Fragen

Von Roland Wellenhöfer

WEIDEN/NEUSTADT/WN/TIRSCHENREUTH. Sieben Jahre lang prägte Michael Hoffmann die Entwicklung der Kliniken Nordoberpfalz. Nun verlässt der Vorstand das Unternehmen – mit positiven wirtschaftlichen Zahlen, aber auch mit einer Hinterlassenschaft, die in der Region kontrovers diskutiert wird. Denn während sich die Bilanz zuletzt stabilisierte, bleibt vielerorts das Gefühl, dass der Preis dafür hoch war.

Michael Hoffmann, Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG, verlässt den kommunalen Klinikverbund nach sieben Jahren an der Spitze. Foto: KNO

Die jüngste Aufsichtsratssitzung brachte zunächst gute Nachrichten: Für das Geschäftsjahr 2025 erwarten die Kliniken Nordoberpfalz einen Jahresüberschuss von rund 816.000 Euro. Noch ein Jahr zuvor hatte der Klinikverbund ein Minus von fast zwölf Millionen Euro verzeichnet. Die wirtschaftliche Trendwende gilt als Ergebnis einer konsequenten Restrukturierung, die Hoffmann seit seinem Einstieg zunächst als Sanierungsberater und später als Vorstand vorangetrieben hatte. In einer Zeit, in der bundesweit rund 80 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben, ist ein positives Ergebnis zweifellos bemerkenswert.

Steinwaldklinik Erbendorf: Der Standort der geriatrischen Reha in Erbendorf steht vor dem Aus – die Einrichtung soll künftig nach Tirschenreuth verlegt werden.
Foto: Roland Wellenhöfer



Doch die wirtschaftliche Stabilisierung ging mit tiefgreifenden strukturellen Veränderungen einher, die bis heute emotional nachwirken. Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel der Steinwaldklinik in Erbendorf. Die Einrichtung galt medizinisch als erfolgreich, verfügte über eine hohe Auslastung und war fest in der regionalen Versorgungsstruktur verankert. Dennoch fiel die Entscheidung zur Schließung beziehungsweise Verlagerung der Leistungen nach Tirschenreuth, um damit den Standort der Kreisstadt zu sichern. Für viele Bürger blieb jedoch der Eindruck zurück, dass ein funktionierender Standort aufgegeben wurde, ohne dass Alternativen ernsthaft diskutiert wurden.

Auch am Krankenhaus Tirschenreuth veränderte sich die Versorgungslandschaft spürbar. Die bisherige Zentrale Notaufnahme wurde in eine Notfallambulanz mit eingeschränkten Zeiten umgewandelt. Medizinisch mag dies Teil einer übergeordneten Konzentrationsstrategie gewesen sein, politisch jedoch verstärkte es die Sorge vor einem schleichenden Rückzug stationärer Versorgung aus der Fläche. Gerade im ländlichen Raum trifft jede Veränderung der Notfallstruktur einen empfindlichen Nerv und hat schließlich Landrat Roland Grillmeier den Job gekostet.

Arzte, Pflegepersonal und Bürger demonstrieren Anfang 2024 gegen die geplante Schließung der Notaufnahme am Krankenhaus Tirschenreuth und fordern den Erhalt der medizinischen Versorgung vor Ort.
Foto: Roland Wellenhöfer

Die Reformjahre verliefen zudem nicht ohne interne Spannungen. Immer wieder wurde von hoher Personalfluktuation berichtet, von umstrittenen Personalentscheidungen und kostspieligen Trennungen auf Führungsebene. Proteste aus der Ärzteschaft machten zeitweise öffentlich sichtbar, wie groß die Unsicherheit innerhalb des Unternehmens war. Parallel dazu entstand bei kommunalen Vertretern zunehmend das Gefühl, dass strategische Entscheidungen vor allem im Vorstand getroffen wurden, während die kommunalen Eigentümer – formal Träger der Kliniken – häufig nur noch zustimmen konnten. Gleichzeitig mussten genau diese Kommunen den Verbund mit erheblichen finanziellen Mitteln stützen, um den Betrieb langfristig zu sichern.

So bleibt die Amtszeit Hoffmanns geprägt von einem Spannungsfeld zwischen ökonomischer Notwendigkeit und politischer Akzeptanz. Befürworter sehen in ihm den Sanierer, der einen gefährdeten Klinikverbund stabilisierte und wirtschaftlich wieder handlungsfähig machte. Kritiker hingegen sprechen von einem Zickzackkurs, mangelnder Transparenz und Entscheidungen, die Vertrauen in der Region gekostet haben.

Mit seinem Abschied hinterlässt Hoffmann ein Unternehmen, das finanziell gefestigter wirkt als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig bleiben offene Fragen zur zukünftigen medizinischen Versorgung in der nördlichen Oberpfalz und zur Rolle der kommunalen Eigentümer. Denn wirtschaftliche Kennzahlen allein entscheiden nicht darüber, wie Reformen bewertet werden. Maßgeblich ist am Ende, ob Menschen das Gefühl behalten, medizinisch wohnortnah versorgt zu sein – und ob politische Entscheidungen nachvollziehbar erklärt wurden.

Was also bleibt von Michael Hoffmann? Wahrscheinlich beides zugleich: ein wirtschaftlich stabilisierter Klinikverbund und eine Region, die noch immer darüber diskutiert, ob dieser Weg alternativlos war.