Schmutziges Spiel um das Meixenberger-Gebäude? Kulturprojekt in Erbendorf plötzlich in Gefahr
Von Roland Wellenhöfer
ERBENDORF. Eigentlich sollte es ein Meilenstein für die kulturelle Entwicklung der Stadt werden: Nach monatelanger ehrenamtlicher Arbeit gelang es dem Kunst- und Kulturverein Erbendorf (KuKuVe), Fördermittel in Höhe von 275.000 Euro über eine Fraktionsinitiative des Bayerischen Landtags für ein „Haus der Künste“ zu sichern. Geplant war die Umwandlung des ehemaligen Getränkemarkts Meixenberger in ein öffentliches Kulturzentrum.
Doch kurz vor der geplanten Vorstellung des Projekts sorgt eine andere Veröffentlichung für massive Irritationen – und wirft politische Fragen auf.
Zwei Visionen für ein Gebäude
Während der KuKuVe das Gebäude als offenen Kultur- und Begegnungsort entwickeln möchte, veröffentlichte die CSU Erbendorf eine Pressemitteilung, wonach Unternehmer Erdem Cakmak die Immobilie erwerben und dort Lebensmittelproduktion sowie Wohnraum schaffen will.
Begleitet wurde die Projektvorstellung am Freitagnachmittag unter anderem von Landrat Roland Grillmeier sowie dem Bürgermeisterkandidaten Matthias Fütterer. Der Umbau soll laut Mitteilung zeitnah beginnen.

Foto: Carolin Böckl
Doch genau hier beginnt der Konflikt.
Verein widerspricht Darstellung deutlich
Der Kunst- und Kulturverein reagierte mit einer eigenen Pressemitteilung ungewöhnlich deutlich. Darin heißt es, man habe nach intensiven Gesprächen sowohl von der Eigentümerin als auch von der finanzierenden Bank eine mündliche Zusage für das Kulturprojekt erhalten. Ein notarieller Kaufvertrag sei bislang jedoch noch nicht unterzeichnet worden. Für den Verein stellt sich deshalb die Frage, warum öffentlich bereits der Eindruck eines abgeschlossenen Verkaufs entsteht.
Der Zeitpunkt sorgt zusätzlich für Brisanz: Erst in der vergangenen Woche sei der Förderbescheid für das Kulturzentrum eingetroffen – das Ergebnis monatelanger ehrenamtlicher Arbeit.
Politische Dimension nicht zu übersehen
Im Hintergrund stehen unterschiedliche politische Lager: Während die Freien Wähler das Kulturprojekt von Beginn an unterstützten und die Fördermittel über ihre Fraktionsinitiative nach Erbendorf holten, wird das alternative Nutzungskonzept öffentlich von CSU-Akteuren begleitet.
Besonders brisant: Die Veröffentlichung der CSU erfolgte nur wenige Tage vor der mit großer Spannung erwarteten Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Erbendorf.
Beim ersten Wahlgang lag der Kandidat der Freien Wähler, Bernhard Schmidt, deutlich vor seinem Mitbewerber von der CSU, Matthias Fütterer. Schmidt erreichte 1.202 Stimmen und damit 39,2 Prozent. Fütterer kam auf 803 Stimmen beziehungsweise 26,2 Prozent.
Dass ausgerechnet kurz vor dieser Stichwahl ein konkurrierendes Nutzungskonzept für das Gebäude öffentlich präsentiert wird, das der KuKuVe für sein Kulturprojekt vorgesehen hat, lässt Beobachter über mögliche politische Motive spekulieren.
Offene Fragen statt Klarheit
Der KuKuVe formuliert mehrere Punkte, die bislang ungeklärt sind:
- Warum wird ein Verkauf öffentlich dargestellt, obwohl noch kein Notartermin erfolgt ist?
- Weshalb erscheinen Informationen, bevor rechtliche Fakten geschaffen wurden?
- Wer profitiert von der aktuellen öffentlichen Darstellung?
Fest steht: Zwei völlig unterschiedliche Zukunftsvisionen stehen sich gegenüber – ein ehrenamtlich getragenes Kulturzentrum und ein privatwirtschaftliches Entwicklungsprojekt.
Fördergelder an konkretes Objekt gebunden
Besonders kritisch: Die zugesagten Fördermittel sind laut Verein auf genau dieses Anwesen zugeschnitten. Sollte der Kauf durch den KuKuVe scheitern, wäre das „Haus der Künste“ in seiner jetzigen Form kaum noch realisierbar.
Für viele Unterstützer hinterlässt die Entwicklung deshalb einen faden Beigeschmack. Ein Projekt, das auf ehrenamtlichem Engagement basiert und als kultureller Impuls für die Innenstadt gedacht war, könnte am Ende zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen aufgerieben werden.
Wie geht es weiter?
Noch ist nichts endgültig entschieden. Ein notarieller Kauf steht weiterhin aus, und die offizielle Übergabe des Fördermittelbescheids soll in Kürze erfolgen.
Ob am Ende ein Kulturzentrum entsteht oder eine andere Nutzung Realität wird, ist derzeit offen. Sicher ist nur: Die Diskussion um das Meixenberger-Gebäude hat sich längst von einer Immobilienfrage zu einem politischen Thema entwickelt – mit vielen offenen Fragen und wachsender Aufmerksamkeit in der Stadt.

