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Droht das Aus für US-Truppen in der Oberpfalz? Was Grafenwöhr und Hohenfels wirklich kosten – und bringen

Von Roland Wellenhöfer

GRAFENWÖHR/HOHENFELS. Die Diskussion um einen möglichen Abzug von US-Truppen aus Deutschland gewinnt erneut an Fahrt. US-Präsident Donald Trump bringt laut aktuellen internationalen Medienberichten eine Verlegung von Soldaten aus Europa ins Spiel. Für die Oberpfalz wäre das ein Einschnitt mit weitreichenden Folgen, denn mit Grafenwöhr und Hohenfels befinden sich hier zwei der wichtigsten US-Standorte außerhalb der Vereinigten Staaten.

Fest steht: Die großen Investitionen stammen überwiegend aus den USA. In Grafenwöhr hat die US-Armee in den vergangenen Jahren rund 900 Millionen US-Dollar in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt. Hinzu kommen jährlich hohe Summen für Betrieb, Bauprojekte und militärische Einrichtungen. Deutschland finanziert dagegen keine Soldaten oder militärischen Operationen, beteiligt sich aber indirekt über Infrastruktur, Verwaltung und Bauzuschüsse an den Standorten.

Besonders häufig wird in der politischen Debatte auf die große Zahl ziviler Arbeitsplätze verwiesen. Tatsächlich hängen in der Region rund 4.000 bis 5.000 Jobs direkt oder indirekt an den US-Stützpunkten. Gleichzeitig entstehen dem deutschen Staat durch die Unterstützung der Standorte jährliche Kosten von geschätzt 100 bis 150 Millionen Euro. Daraus ergibt sich eine zentrale Kennzahl: Pro Arbeitsplatz entspricht das einer staatlichen Unterstützung von rund 25.000 Euro jährlich.

Diese Zahl wirkt auf den ersten Blick hoch, relativiert sich jedoch bei genauerem Hinsehen. In vielen Bereichen der Wirtschaftsförderung liegen die staatlichen Zuschüsse pro Arbeitsplatz in einer ähnlichen Größenordnung, teilweise sogar deutlich darüber. Gleichzeitig sorgen die US-Standorte für eine enorme wirtschaftliche Dynamik in der Region. Schätzungen zufolge fließen jährlich rund 600 bis 700 Millionen Euro an Kaufkraft in die Oberpfalz. Das bedeutet, dass jeder einzelne Arbeitsplatz ein Vielfaches dessen an wirtschaftlicher Leistung erzeugt, was er den Staat kostet.

Dennoch bleibt ein strukturelles Risiko bestehen. Die Arbeitsplätze sind nicht langfristig abgesichert, da sie vollständig von strategischen Entscheidungen der US-Regierung abhängen. Genau das macht die aktuelle Diskussion so brisant. Sollte es tatsächlich zu einem Truppenabzug kommen, hätte das unmittelbare Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die regionale Wirtschaft und zahlreiche Betriebe, die direkt oder indirekt von den Standorten profitieren.

Ein solcher Schritt würde die Region vor große Herausforderungen stellen. Neben dem möglichen Verlust tausender Arbeitsplätze stünde auch die Frage im Raum, wie die riesigen Flächen künftig genutzt werden könnten. Zwar eröffnen sich dadurch langfristig Chancen für zivile Projekte, doch der Umbau wäre aufwendig und teuer.

Die US-Standorte in der Oberpfalz sind wirtschaftlich ein bedeutender Faktor, gleichzeitig aber auch ein Abhängigkeitsrisiko. Deutschland unterstützt die Infrastruktur und damit indirekt auch die Arbeitsplätze, bewegt sich dabei jedoch in einer Größenordnung, die mit klassischer Wirtschaftsförderung vergleichbar ist. Wie stabil dieses Modell ist, entscheidet sich letztlich nicht in Bayern – sondern in Washington.

Zahlen und Berechnung

Die genannten Werte basieren auf einer Kombination aus offiziellen Angaben und realistischen Hochrechnungen. Die Zahl der Arbeitsplätze ergibt sich aus regionalen Erhebungen und liegt bei etwa 4.000 bis 5.000 direkten und indirekten Jobs. Die staatlichen Kosten wurden aus bekannten Baukostenzuschüssen des Bundes von rund 650 Millionen Euro über zehn Jahre sowie zusätzlichen Infrastruktur- und Verwaltungskosten geschätzt, woraus sich jährlich etwa 100 bis 150 Millionen Euro ergeben. Der Wert pro Arbeitsplatz wurde rechnerisch ermittelt, indem ein Mittelwert von 125 Millionen Euro durch rund 5.000 Arbeitsplätze geteilt wurde. Die Kaufkraft von 600 bis 700 Millionen Euro basiert auf regionalwirtschaftlichen Studien zu den Effekten der US-Standorte.

Wichtig ist: Es handelt sich um wirtschaftliche Näherungswerte, da eine vollständige, öffentlich einsehbare Gesamtrechnung aller Kosten und Effekte nicht existiert.