Zwischen Ideologie und Alltag: Braucht es die Gleichstellungsbeauftragte wirklich?
SCHWANDORF. Die Rolle der Gleichstellungsbeauftragten polarisiert. Für die einen ist sie ein unverzichtbares Instrument gegen strukturelle Benachteiligung, für die anderen ein ideologisch aufgeladener Posten, auf dem man verzichten könnte. Eine aktuelle gemeinsame Pressemitteilung der Oberpfälzer Gleichstellungsbeauftragten liefert nun neue Argumente. Doch sie wirft auch Fragen auf.
In ihrer Erklärung zeichnen die Beauftragten ein dramatisches Bild: steigende Gewaltzahlen gegen Frauen, strukturelle Benachteiligung in Beruf, Gesundheit und Politik. Die genannten Statistiken sind alarmierend, keine Frage. Doch die zentrale These bleibt: Braucht es dafür eigene kommunale Stellen – oder werden hier Probleme verwaltet, die auf ganz anderen Ebenen entschieden werden?
Ein Posten mit hohem moralischem Anspruch
Die Gleichstellungsbeauftragten verstehen sich als Knotenpunkt, als Mahnerinnen, als Netzwerkerinnen. Sie bündeln Initiativen, organisieren Prävention, formulieren Forderungen. Kritiker halten dagegen: Vieles davon bleibt im Appell stecken. Netzwerke existieren auch ohne feste Stellen, Präventionsarbeit leisten Polizei, Sozialdienste und Vereine seit Jahrzehnten.
Der Vorwurf lautet daher: Die Gleichstellungsarbeit ist oft mehr symbolisch als wirksam. Sie produziert Papiere, Erklärungen und Forderungskataloge – echte Durchgriffsmöglichkeiten fehlen. Entscheidungen über Personal, Geld oder Gesetze fallen anderswo.
Unsichtbare Wirkung oder unsichtbarer Nutzen?
Besonders zugespitzt formuliert: Würde man die Gleichstellungsstellen abschaffen, würde es im Alltag der meisten Bürger kaum auffallen. Verwaltung würde weiterlaufen, politische Gremien weiter tagen, gesellschaftliche Debatten weiter geführt. Auffallen würde der Wegfall vor allem jenen, die diese Stellen besetzen – und deren berufliche Existenz daran hängt.
Das heißt nicht, dass die angesprochenen Probleme nicht real sind. Gewalt, Benachteiligung, Unterrepräsentanz sind Tatsachen. Die Frage ist vielmehr, ob kommunale Gleichstellungsbeauftragte das richtige Instrument sind – oder ob hier ein Posten verteidigt wird, der sich selbst legitimieren muss.
Zwischen Engagement und Selbstzweck
Die Pressemitteilung endet mit einem klaren Bekenntnis: Gleichstellungsstellen seien unverzichtbar für Demokratie und Gerechtigkeit. Diese Schlussfolgerung ist mutig – aber nicht alternativlos. Kritische Stimmen fordern seit Jahren eine ehrliche Evaluation: Was hat sich konkret verbessert? Welche messbaren Erfolge gibt es? Und was ließe sich vielleicht effizienter organisieren?
Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wird die Debatte weitergehen. Zwischen echter Notwendigkeit und institutionellem Selbstzweck verläuft eine schmale Linie – und genau dort steht die Gleichstellungsbeauftragte.

