Sensationsfund in der Altstadt: Ältestes Mithras-Heiligtum Bayerns entdeckt
Archäologen stoßen am Stahlzwingerweg auf einzigartiges römisches Heiligtum
REGENSBURG. Ein außergewöhnlicher archäologischer Fund sorgt derzeit in Regensburg und weit darüber hinaus für Aufsehen: In der Altstadt wurde ein Heiligtum des römischen Gottes Mithras entdeckt – das älteste bislang bekannte in ganz Bayern.
Im Zuge eines Bauprojekts der SDI GmbH & Co. KG von Karl Kotz am Stahlzwingerweg 6, wo drei neue Geschosswohnungsbauten entstanden, führten Archäologen der ArchäoTeam GmbH unter der Leitung von Sabine Watzlawik die vorgeschriebenen Untersuchungen durch. Was zunächst wie eine routinemäßige Grabung wirkte, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer archäologischen Sensation.
Schwierige Deutung, spektakuläres Ergebnis
Wie in der Regensburger Altstadt üblich, traten bei den Grabungen Siedlungsspuren aus unterschiedlichen Epochen zutage – von der Vorgeschichte über die Römerzeit bis ins Mittelalter. Die Auswertung gestaltete sich jedoch schwierig: Große Befunde konnten wegen der engen Baugrube nur abschnittsweise zwischen Frühjahr und Herbst 2023 freigelegt werden.
Erst die Zusammenführung aller Ergebnisse und die detaillierte Analyse durch den Wissenschaftler Dr. Stefan Reuter brachte die entscheidende Erkenntnis: An dieser Stelle stand in römischer Zeit ein Mithras-Tempel. Das Bauwerk bestand ursprünglich aus Holz, weshalb nur wenige direkte Baureste erhalten waren. Mehrere Indizien wiesen jedoch klar auf ein sogenanntes Mithräum hin.
Weihestein, Münzen und Kultgefäße liefern Hinweise



Zu den bedeutendsten Funden zählen ein Weihestein mit unleserlicher Inschrift, Fragmente von Votivblechen, Beschläge eines Schreins sowie zahlreiche Münzen. Letztere ermöglichten eine genaue Datierung: Das Heiligtum entstand zwischen 80 und 171 nach Christus, zur Zeit des Kohortenkastells in Kumpfmühl – also noch vor der Gründung des Legionslagers Regensburg.
Typische Objekte des Mithras-Kults wie Keramikscherben mit Schlangenverzierungen, Räucherkelche und Henkelkrüge bestätigen die Deutung. Sie belegen rituelle Gelage, die eine zentrale Rolle in der Verehrung des Gottes spielten.
Überregionale Bedeutung des Fundes
Maximilian Ontrup, M.A., Experte für provinzialrömische Archäologie bei den Museen der Stadt Regensburg, betont die Tragweite der Entdeckung: „Der Fund ist gleich zweifach singulär: Zum einen ist das Regensburger Mithräum das erste römische Heiligtum, das in der Altstadt identifiziert wurde. Zum anderen ist es das älteste der bislang neun bekannten Mithras-Heiligtümer in Bayern.“
Der Mithras-Kult erlebte seine Blütezeit erst ab dem späten 2. Jahrhundert, bevor er im 4. und frühen 5. Jahrhundert vom Christentum verdrängt wurde. Umso bemerkenswerter ist der frühe Nachweis dieses Kultes in Regensburg.
Neue Einblicke in das römische Regensburg
Der Fund gilt als eine der wichtigsten Neuentdeckungen zur römischen Geschichte Regensburgs der vergangenen zehn Jahre. Er liefert wertvolle Erkenntnisse über die Struktur der römischen Donausiedlung und erweitert zugleich das Wissen über den geheimnisvollen Mithras-Kult weit über die Stadtgrenzen hinaus.
In Zusammenarbeit mit der Stadt Regensburg und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wird die wissenschaftliche Auswertung weitergeführt. Die geborgenen Objekte werden den Museen der Stadt Regensburg übergeben und sollen künftig Teil des neuen Museumskonzepts werden.
Museumsleiter Dr. Sebastian Karnatz blickt dem Projekt mit Vorfreude entgegen: „Wir werden die zunächst unspektakulär wirkenden Fundstücke kontextualisieren und visualisieren. Der Aufwand wird sich lohnen – sie werden das Bild vom römischen Regensburg entscheidend bereichern.“

